April 29, 2020 sarah

2019 hatte LOEHN Studios in Zusammenarbeit mit NICO AND THE NAVIGATORS das Projekt “Verrat der Bilder” aus dem Boden gestampft. Mithilfe der modernen Augmented Reality Brille “Magic Leap” sollte ein interaktives Theaterstück entstehen, welches die 100-jährige Geschichte des Bauhauses erzählt. In diesem Blogartikel präsentieren wir Ihnen eine gekürzte Fassung des Abschlussberichtes des Projekts. 

Bauhaus Jubiläum augmented Reality

„Verrat der Bilder“ – Verknüpfung von AR und Theater

Mit dieser bislang einzigartigen Verknüpfung zwischen Augmented-Reality und Live-Darstellern hat das Ensemble die Grenzen der Sparten und Technologien erneut kreativ verschoben, um unbekanntes Terrain spielerisch zu erkunden. Aktuelle Technik wurde dabei für die Vermittlung von Geschichte und Geschichten eingesetzt, eine virtuelle Ebene der Reflektion über reale szenische Aktion gelegt. So wurden ästhetische wie politische Bekenntnisse von Bauhaus-Meistern wie Paul Klee und Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer und Georg Muche an den Orten ihres Wirkens navigatorisch verhandelt.

Augmented Reality Theater

Täuschung der Sinne

Auf dem Parcours durch Bauhaus-Geschichte wurden widerstreitende Bedeutungsebenen konfrontiert, bis nichts mehr war, wie es einmal gewesen schien. Zugleich wurden alte Fragen neu formuliert: Nehmen wir das wahr, was uns vor Augen steht – weil es uns in den Blick gestellt wird? Oder lassen wir uns – auch und gerade mit Blick auf die Klassische Moderne – von Ikonen bereitwillig täuschen?

25 Magic Leap Brillen, 75 Zuschauer

Magic Leap Brillen

Für das außergewöhnliche Format, bei dem jeder Besucher durch eine AR-Brille blicken konnte, waren 25 Systeme parallel im Einsatz, sodass die Kapazität bei drei Vorstellungen pro Aufführungstag insgesamt 75 Zuschauer umfasste. Daraus ergab sich bereits zu Beginn der Aufführungen im Dessauer Meisterhaus Muche/Schlemmer eine erfreulich hohe Auslastung von 96 Prozent. Gleichzeitig sorgte dieses zeitintensive Konzept für eine enorme Belastung der Performer sowie für das gesamte Team inklusive Oliver Proske und Nicola Hümpel, das einen reibungslosen Ablauf der bislang unerprobten Technik für alle Vorstellungen gewährleisten musste.

47 ausverkaufte Performances

Nach 21 Vorstellungen à 90 Minuten im Zeitraum vom 12. bis zum 21. September 2019 in den Meisterhäusern in Dessau und der Erfahrung dieser außerordentlichen Belastung wurde entschieden, die ursprünglich geplanten vier Vorstellungen pro Tag im Berliner Georg-Kolbe-Museum ebenfalls auf drei zu reduzieren. An zwei Tagen ließ sich dies jedoch aufgrund der bereits im Vorverkauf gebuchten Tickets nicht mehr realisieren, sodass vom 26. September bis zum 4. Oktober 2019 an insgesamt acht Tagen weitere 26 ausverkaufte Performances im Berliner Georg-Kolbe-Museum zu erleben waren.

Breites Spektrum an Besuchern

Erfreulich war die hohe Zahl der Interessenten aus Berliner Kulturinstitutionen, der Abgeordneten, Kooperationspartner sowie Gästen anderer Kultureinrichtungen und -festivals, die das Stück im Georg-Kolbe-Museum besuchten. In Dessau war während des Bühnenfestivals zum Bauhaus-Jubiläum bereits ein Publikum aus fachkundigen und spontan interessierten Besuchern zusammengekommen. Das Betreuungsteam wurde nach jeder Vorstellung von begeisterten Gästen wie auch von Fachleuten befragt und in spannende neue Diskurse eingebunden.

Zusammenarbeit mit LOEHN Studios

Das Projekt wurde mit der Magic Leap realisiert – der aktuell besten lieferbaren AR-Brille, die zum Zeitpunkt der Inszenierung nur in vier US-Bundesstaaten erhältlich war. Nach der Softwareentwicklung mit der Firma Loehn Studios war es mit Probenbeginn ab August 2019 die größte Herausforderung für das Team der PerformerInnen und TechnikerInnen, die virtuellen und realen Aspekte organisch zu vereinen. „Verrat der Bilder“ hat gezeigt, dass sich ein gelungenes Zusammenspiel zwischen AR-Technik und Live-Darstellern entwickeln lässt.

Pressestimmen

„Dank aufwendig programmierter AR-Brillen wird die Zeitreise nicht nur textlich grundiert und fabelhaft gespielt, […] sondern eben auch durch verblüffende virtuelle Effekte der „Augmented Reality“ in der Wirkung verstärkt… [Es] fügt sich auf dieser intelligenten, bildenden Zeitreise ein Kaleidoskop, das einen schlüssigen Eindruck von der Vielgestalt des Bauhauses gibt.“ – Mitteldeutsche Zeitung

„Unter all den Begriffen aus Digitalien klingt „Augmented Reality“ besonders verlockend… Es ist der Hammer, hier, im Berliner Georg Kolbe Museum, einer Schar von Akteuren zuzuschauen, die selber nie das sehen, was wir dank zusätzlich eingeblendeter Grafiken, Bilder, Skizzen erleben. Wie genau sich die realen Leiber doch einpassen lassen in eine grafisch gestaltete Landschaft, mal eine Bauhausküche, mal die israelische Gedenkstätte Yad Vashem: Das macht jedes Bühnenbild völlig überflüssig.“ – tanz 

„Die Häuser der Dessauer Bauhaus-Meister lassen sich natürlich immer besuchen. Aber wer die Chance dazu hat, der sollte sie gemeinsam mit Nico and the Navigators besichtigen…eine fantasievolle und dank der Brillen auch fantastische Reise durch die Bauhaus-Geschichte… Ein Genuss für Bauhaus- und Technikfans.“ – Mitteldeutscher Rundfunk

„Verrat der Bilder“ ist keine Hommage an das Bauhaus, keine Verneigung vor Gropius und den anderen, sich „Meister“ nennenden Lehrer, die im Stück häufig beiläufig zitiert werden…Gertrud Grunow und Karla Grosch…gemeinsam sind es, die im Haus Muche mit den Machos abrechnen, die sich so fortschrittlich gebärdeten, aber es dann doch lieber bei den Rollenbildern beließen, die ihnen so wohlvertraut waren.“ – Mitteldeutsche Zeitung

Vollständiger Bericht
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